| 4. Etappe Bernburg- Köthen |
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Pilgerbericht vom 6. 6. 2009
Unsere 4. Etappe begann in Bernburg, Martinstraße 5. Hier steht eine der vielen Kirchen Bernburgs, die bis 2007 recht aufwendig restauriert und zu einem modernen Gemeinde- und Begegnungszentrum ausgebaut wurde. Soziales Lernen beginnt hier schon im Kindergarten, weiter im Evangelischen Grundschulzentrum (2003 gegründet), mit Hort und der Jungen Gemeinde. Architektonisch zweckmäßig angeordnete Räume und eine interessante Kirchhofgestaltung mit Abenteuer-Spielplatz (mit Schaufenster zum Straßengeschehen) für die Kinder ergeben eine moderne Begegnungsstätte in der Gemeinde. Sie werden von Ehrenamtlichen betreut. Die Martinskirche wurde 1887 eingeweiht, und 1991 wurde sie jüngstes selbständiges Gotteshaus in Bernburg. Pfarrer Dr. Lambrecht Kuhn hatte Punkt 9 Uhr jeden unserer Pilgergruppe mit Handschlag begrüßt und für uns in der Kirche eine Andacht gehalten. Vorher berichtete er mit Stolz und guter Sachkenntnis über die Aufbauarbeiten und die Entstehung seines Gemeindezentrums. Unsere Dagmar gab uns noch den Ablauf der 4. Pilgertour bis Köthen bekannt. Nachdem uns der Pilgersegen erteilt wurde, ging es von St. Martin durch die Stadt und über die Fuhnenbrücke (2,4 km), über Wiesenwege an der Fuhne entlang nach Baalberge (3 km). Es ging an dem Gewerbegebiet (etwas rechts gelegen, früher, 1860, eine Saline) vorbei und auch vorbei an den Evangelien-Äckern der Gemeinde. Am Café Jürgen Zahn machten wir Pause zur Stärkung unserer Wanderkräfte. Hier in Baalberge gibt es eine bescheiden ausgebaute Backsteinkirche, die evangelische St. Nikolaikirche, die bis 1884 errichtet wurde. Die erste urkundlich erwähnte Kirche in Baalberge stammt aus dem Jahre 1204 (romanische Kirche). Über Poley und Crüchern pilgerten wird weiter nach Wohlsdorf (7,3 km). Dort begrüßte uns Herr Wolf von Bila. Im kleinen, noch auszubauenden Kirchlein erwiderten wir mit unserem Pilgerlied die Begrüßung. Herr Wolf von Bila sprühte voller Freude und berichtete uns von all seinen Mühen, Sorgen und Freuden beim Aufbau seines Kirchen- und Pilgerzentrums in Wohlsdorf. Ein großer Pferdestall des Gutshofes war die Gebäudegrundlage zum Aufbau. Gemütliche Schlafgemächer mit den so schönen buntkarierten Bettbezügen und genügend Platz in den Räumen beeindruckten uns. Das war so ganz das Gegenteil von den Räumlichkeiten in den mir bekannten Herbergen, wo jeder Kubikmeter auskalkuliert ist, um Wanderer zu beherbergen. Natürlich wurden wir auch hier köstlich bewirtet. Es stand genügend Brot mit Belag zur Selbstbedienung und Getränke (sogar edler Wein) zur Verfügung. Wir konnten so recht zufrieden sein über die gelungene herzliche Begegnungsstätte. Leider mußten wir auch Abschied nehmen. Es fiel dem Gastgeber sichtlich schwer, nachdem er uns durch Wohlsdorf, seiner und seiner Vorfahren Heimat, verabschiedete. Der Pilgerweg Richtung Großpaschleben (5,3 km), wieder vorbei an schönen Getreidefeldern mit so vielen prächtigen Mohnblumen am breiten Feldrand, mußte leider im Regen fortgesetzt werden. Das machte uns aber nichts aus, denn in Großpaschleben war die 850-Jahr-Feier mit viel Musik und Trubel im Gange. Musik beflügelt und läßt den Regen geringfügiger erscheinen. Im Heinrichshaus, das für behinderte Menschen eingerichtet ist, konnten wir eine Pause einlegen. Leider regnete es in Strömen, und wir konnten uns nicht länger aufhalten, denn gegen 17 Uhr wollten wir in dem ca. 3,6 km entfernten Köthen ankommen. Lang anhaltende Glockenklänge begleiteten uns zur Stadt- und Kathedralkirche St. Jacob in Köthen, eine spätgotische Hallenkirche. Den Regen merkten wir beim Anblick der Zwillingskirchtürme, die mit 75 Meter die höchsten aller 270 Kirchenbauten der evangelischen Landeskirche Sachsen-Anhalts sind, nur wenig. Von der Brücke, in knapp 45 m Höhe, konnten wir deshalb den schönen Blick über Köthen und seine Umgebung genießen. Pfarrer Dietrich Lauter empfing uns mit seiner Familie sehr gastfreundlich, sogar mit köstlichen Kuchenstückchen. Er berichtete von der Geschichte und den Bauarbeiten in der Kirche. An der Skulptur des Schutzheiligen Jacobus aus dem Jahr 1150 (zum Glück überlebte gerade diese Figur die Jahrhunderte) wurde uns die Kirchengeschichte erläutert. Obwohl das Kirchenschiff eingerüstet war, konnten wir diesen schlichten Kirchenbau bewundern. Der Organist spielte dazu an der Orgel des Orgelbaumeisters Ladegast aus Weißenfels aus dem Jahre 1872. Die Orgel befindet sich noch heute fast im Originalzustand. Es folgte dann ein gemeinsamer Aufstieg zum Dachboden. Er ist mit seiner großartigen, umfangreichen, mittelalterlichen Zimmermannsarbeit eine Freude anzusehen. So eine Dachkonstruktion gibt es auch in der Leipziger Thomaskirche. Wir sangen für uns ein neues Pilgerlied: „Ich mach’ Station am Weg, auf dem ich geh’. Ich halte an, damit ich Freunde seh’, die auf der gleichen Straße gehen. Ich halte an...“ Pfarrer Dietrich Lauter begleitete uns auf seiner Gitarre – zusammen mit seinen zwei Töchtern, die auf ihren Flöten spielten. Den Text der vier Strophen müßten wir uns einprägen. Er ist einfach und eine Selbstverständlichkeit. Die einfühlsamen und erbauenden Worte des Pfarrers erinnerten uns an Aufgaben, die wir noch ernst nehmen sollten, um friedlich, wohlwollend, ohne Neid einander zu verstehen. So werden wir gute Gedanken in unsere Gespräche einbringen können, die uns gelassener machen und Liebenswürdigkeit ausstrahlen. Das war eine Andacht auf dem Dachboden von St. Jacob von ganz besonderer Art. Dank dem Pfarrer – ein Dank auch unserer Dagmar für die wieder gut gelungene Pilgeretappe Bernburg – Köthen. Gegen 18 Uhr läuteten wieder die drei Glocken. Diesmal wurde Abschied genommen. Schade, wir mußten zum Zug und unsere Heimreise nach Leipzig antreten.
K. Warkenthin |
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