| Von Bonfatius zu Katharina – 1. Etappe des Samstagspilgerns am 06.03.2010 |
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Mit bangen Blicken nach draußen ist wohl jeder der Pilger am Morgen des 06.03.2010 zur Pilgertour aufgebrochen. Ca. 10 cm Neuschnee, Schneesturm und etliche Berichte von Schneestaus' im Radio ließen die bange Frage aufkommen, ob das wohl heute was wird mit dem Pilgern. Nun, vor der St. Bonifatius-Kirche in Leipzig-Connewitz konnten Dagmar Schlegel und Heino Streller, unsere heutigen Pilgerführer, ca. 40 Pilger begrüßen. Außerdem begrüßte uns auch noch ein Fernsehteam unter Leitung von Ines Drahonovsky, das für Lexi-TV, einer Sendung des MDR einen Bericht über Pilgern erstellte. Das Team begleitete uns rücksichtsvoll den ganzen Tag. Der Bericht wird am 01.04.2010 um 14:30 Uhr zu sehen und danach im Podcast des MDR als auch unter www.lexi-tv.de abrufbar sein. In der Kirche St. Bonifatius nahmen wir am Morgenlob der Gemeinde unter Pf. George teil. In der Fastenzeit feiert die Gemeinde täglich morgens eine Morgen-Liturgie. Als wir nach der Andacht unsere Pilgertour begannen, hatte es bereits aufgehört zu schneien und die Sonne brach durch. So wurde dies ein herrlicher, sonniger Pilgertag durch eine frisch verschneite Landschaft, der wohl schönste Schneepilgertag in der noch jungen Geschichte des Samstagspilgerns in Mitteldeutschland. Nach wenigen Metern erreichten wir die Pleiße und folgten ihrem fast durchgängig verlegten oder begradigten Lauf. Zunächst durchliefen wir die südlichen Ausläufer des Auenwaldes. Etliche alte Villen gab es auf dem Weg zu bewundern, so das „Westphalsche Haus“ eine Villa aus dem 19. Jahrhundert im barocken Stil und wenig später das Weiße Haus, die ehemalige Herfurthsche Villa. Heino Streller erzählte uns einiges zu diesen Häusern. Nach ca. ¼ der Strecke erreichten wir mit der Ev.-Luth. Kirche zu Großstädteln unseren 1. Rastpunkt. Herr Benedix von der Gemeinde begrüßte uns und stellte uns die Kirche vor. Die Kirche wurde erstmals 1289 erwähnt. 1880 wurden die alte Kirche abgerissen und eine neugotische errichtet. Seitdem erlebt sie auch schon wieder etliche Umbauten. Bemerkenswert sind die schönen farbigen Betonglasfenster, die von dem Schönebecker Künstler Christoph Grüger gestaltet wurden. Das Südfenster im Querschiff, das Pfingstfenster, verpasste durch sein Leuchten im Sonnenschein dem Raum eine besonders helle Stimmung. Ein Kruzifix und eine Kreuzweggruppe aus Holz, gestaltet von Elly-Viola Nahmacher aus Greiz, sind weitere Kleinodien dieser Kirche. Herr Benedix führte uns noch ein Stück weit des Weges. Vor uns lag der längste Abschnitt des Tages. Durch Wälder und Flure ging es entlang der Pleiße bis Rötha. Wenn man auf die Landkarte schaut, glaubt man gar nicht, wie viele grüne Bereiche es hier im Ballungsraum Leipzig gibt. Kurz vor Rötha rasteten wir im ehemaligen Schlosspark. Zu einer kurzen Andacht bildeten wir einen Kreis um den Stumpf eine ca. 40 Millionen Jahre alten Secoia (Mammutbaum). Solche Stümpfe wurden und werden hin und wieder in Braunkohletagebauen gefunden. Bis zur Georgenkirche in Rötha gingen wir nun schweigend, auf uns, die Natur, die Schritte im Schnee und auf Gott hörend. Der Bau der Georgenkirche geht auf Wiprecht von Groitzsch zurück. Rötha war Station auf dem Weg von Merseburg nach Meißen. Romanische Grundmauern sind noch erkennbar. Der überwiegende Teil der Kirche ist barock überbaut. In der Kirche gab uns Frau Bothung einige Erläuterungen. Ein besonderer Genuss war die kleine Orgelandacht mit Frau Kantorin i. R. Schödel, die die herrliche Silbermann-Orgel zum Klingen erbrachte. Mittagspause legten wir im Gemeindehaus ein. Hier gab es ebenso wie zuvor in Großstädteln und später in Neukieritzsch heißen Tee, Bei dem Winterwetter wurde dieses Labsal besonders dankbar angenommen. All unseren liebevollen Gastgebern sei herzlich gedankt. Frau Bothung begleitete uns noch bis zur Marienkirche in Rötha und zeigte sie uns. Diese Kirche ist eine Wallfahrtskirche. 1502 soll einem Schäfer hier die heilige Jungfrau erschienen sein und ihn gewiesen haben, seine kranken Schafe an einem Birnbaum knabbern zu lassen. Die Schafe wurden wieder gesund. So bekam die 1511-20 spätgotisch errichtete Kirche im Volksmund den Spitznamen „Kirche zum Heiligen Birnbaum“. In den letzten Jahren wurden etliche Renovierungen an und in der Kirche vorgenommen. Leider muss man zum Spieltisch der Silbermannorgel dieser Kirche über eine steile Leiter klettern. Frau Schödel kann sie nicht mehr erklimmen. Die erste Samstagspilgeretappe in Mitteldeutschland endete 2004 in dieser Kirche, begann aber auch schon in der Leipziger Innenstadt. Wir pilgerten in diesem Jahr noch ein Stück weiter entlang des Röthaer Stausees, dem verlegten Lauf der Pleiße und der Bahnstrecke nach Neukieritzsch. Wir gingen durch ein Gebiet dass durch den Braunkohlenabbau weitgehend umgewandelt wurde und nur noch wenig seiner ursprünglichen Gestalt aufweist. Doch die Narben heilen wieder. Einst muss dies eine besonders liebliche Auenlandschaft gewesen sein. Friedrich Schiller und seine Freunde bewog diese Gegend zur „Ode an die Freude“. Dies erzählte uns Heino Streller ebenso, wie er uns unterwegs die Lage wichtiger Orte des Lebens und Wirkens Katharinas von Bora zeigte. In Medewitz wurde sie geboren. Das Geburtshaus wurde durch einen Kippendammbruch zerstört. Der Ort Zöllsdorf, in dem sie ihr Witwengut besaß, fuhr in die Braunkohlengrube. Beide Orte lagen bzw. liegen nicht weit ab von unserem Weg. Kurz vor Erreichen unseres Ziels kamen wir in Neukieritzsch an einen Gedenkstein für Luther und seine Frau Katharina vorbei. Dieser stand ursprünglich in Zöllsdorf. Von Pfarrer Krieger und weiteren Gemeindegliedern wurden wir in der 1999 neu errichteten Katharina von Bora Kirche zur Abendandacht recht herzlich empfangen. Zur Gemeinde gehört auch der Ort Lippendorf. Die hier gestandene Taufkirche Katharinas fiel im II. Weltkrieg den Bomben zum Opfer. Den Namen übernahm nun die neue Gemeindekirche. Die Andacht in der schönen, modernen und an dem Tag vor allem warmen Kirche war ein gelungener Abschied des Pilgertages.
Dagmar Schlegel und Heino Streller sei für die Organisation und Führung gedankt und IHM dafür, dass er uns alle so gut behütet hat.
Bon Camino Volker Schikowsky -Merseburg
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