Pilgerbericht Ökumenisches Samstagspilgern in Thüringen 2018 2. Etappe

Rund um die Thüringer Pforte 14.04.2018
Am Bahnhof Heldrungen beginnt die Tour mit flottem Schritt über flaches Land. Der Unstrut-Radweg führt uns durch das markante Tal, welches der Fluss zwischen den Höhenzügen Hainleite und Schmücke geschaffen hat. Eine ebenso markante 12-Bogen-Brücke verbindet beide Ufer, darüber ragen auf westlicher Seite die beiden Sachsenburgen.
Durch grünende Felder erreichen wir Gorsleben, ein stattliches, altes Dorf mit mehreren ehemaligen Gutshöfen. Am Eingang zum Kirchhof finden wir DIE Attraktion des Ortes. " Der Tod von Gorsleben" – so wird diese originelle Sonnenuhr genannt. Die Kirche steht unter dem Patronat des Heiligen Bonifatius und birgt einige Kunstschätze. Herr Feist vom Gemeinde-Kirchenrat weiß einiges darüber zu erzählen.
Nach der Morgenandacht heißt es erneut aufzubrechen. Auf dem Weg zum Ort Sachsenburg sehen wir nun den Bergeinschnitt der Thüringer Pforte aus Richtung Süden. Die Kirche in Sachsenburg ist derzeit leider nicht zugänglich. Wir umrunden sie einmal und steigen dann auf einem alten Hohlweg allmählich bergan. Auf den Mauerresten der Unteren Sachsenburg finden wir den idealen Platz für Pause und Picknick. Die Sonne lacht, ein Turmfalke kreist durch die Lüfte und in den Bäumen und Büschen ringsum jubilieren die Vögel. Der Frühling entfaltet seinen reichen Zauber in Düften, Farben und Gesang. Wir rasten und genießen; schauen von der Mauerzinne hinab - auf den Fluß, die Brücke, die Bahnlinie, die Straße, - hinüber nach Gorsleben, - auf den Weg, den wir bereits zurückgelegt haben. Der Blick reicht weit ins Thüringer Becken, am Horizont sehen wir die Finne und den Ettersberg.
Nach der Stärkung folgt der nächste Aufbruch. Jetzt pilgern wir am Hang entlang durch lichten Buchenwald mit einem gelb-weiß-violetten Blütenteppich. Auf einer kurzen Strecke gehen wir im Schweigen und machen uns all die Wunder der Schöpfung bewusst. In Oldisleben empfängt uns Herr Jabin in der Kirche. Deren Inneres ist ganz im Jugendstil ausgestaltet – ungewöhnlich, doch sehr einladend. Das besondere Schmuckstück des Gotteshauses sind Teile eines Flügelaltars aus einer Saalfelder Werkstatt. Die eindrucksvollen Darstellungen der Gefangennahme, Verurteilung und Kreuzigung Jesu stammen aus dem Vorgängerbau. Herr Jabin beantwortet manche Frage, stempelt unsere Pilgerpässe. Nach einem Fürbitt-Gebet verabschieden wir uns herzlich.
Als wir die Kirche verlassen und geradewegs nach Osten schauen, können wir schon den Turm der Wigberti-Kirche Heldrungen sehen. Den steuern wir jetzt an. Wir laufen durchs Oldisleber Unterdorf, vorbei an einer Streuobstwiese, überqueren den Fluss und die Bahnstrecke. Wir passieren zwei Metallbaufirmen, das Schwimmbad und mehrere Gartenbaubetriebe samt Feldern und Gewächshäusern.
Auch an der letzten Station des heutigen Tages werden wir erwartet. Herr Dr. Schädel gibt uns einen Einblick in die Geschichte der Kirche. Der Chorraum ist bereits saniert, die mächtige Tonnendecke wartet noch darauf. Kurz darauf trifft Pastorin Burghardt ein und nutzt in ihrer Andacht auch eine Klangschale (wie bereits beim Schweigegang). In deren Nachhall können wir in Ruhe der Erlebnisse des Tages gedenken und dafür danken. Aus einer alten Legende erzählt Frau Burghardt wie man den Begriff > Hoffnung < übersetzen kann mit "über den Horizont hinausblicken". Mit diesem schönen Gedanken machen wir uns auf den Rückweg. Noch ein kurzer Abstecher zur Wasserburg, dann sind wir wieder am Startpunkt. Es duftet nach Rostbratwurst. Das lassen wir uns nicht entgehen. Denn so viel Zeit muß sein, gerade auch beim Pilgern.

Steffen Rödiger
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