Pilgerbericht 1. Etappe Ökumenisches Samstagspilgern an der Unstrut

                                                  am 6.April2019 von Naumburg nach Laucha
Endlich ist es wieder soweit, wir können unsere Wanderschuhe aus dem Winterschlaf holen und uns auf die erste Pilgeretappe begeben. „Ökumenisches Samstagspilgern 2019 entlang der Unstrut – gemeinsam zu Kirchen und Klöstern unterwegs“ heißt das Motto und führt uns in 7 Etappen von Naumburg nach Mühlberg.
Alle, mit dem Auto über die A4 und A9 Angereisten hatten schon eine anstrengende Nebelfahrt hinter sich und es war auch noch recht kühl, als wir uns in Naumburg vor der Ägidienkurie , einst Wohn-und Wirtschaftshof der Domherren, jetzt Haus der Kirche gegenüber dem Dom eintrafen und die vom Bahnhof kommenden Leipziger Pilger erwarteten. Aus der dazugehörigen Ägidienkapelle erklang schon gregorianischer Gesang mit dem uns Pilger Tilman Ludwig empfing. Er hat uns noch mehrfach an diesem Tag mit seiner schönen Stimme erfreut, bzw. mit uns gemeinsam gesungen.
Eröffnet wurde dann das Pilgerjahr von Pf. Michael Bartsch mit einer Andacht, in der er ausführlich die Türen und ihre Bedeutung „ beleuchtete“.
Ein paar Gedanken dazu: es gibt Kirchentüren, Küchentüren, Haustüren , Zimmertüren, Wartezimmertüren; offene und geschlossene Türen; die einladen bzw. ausgrenzen; Türen, die man hinter sich schließt um zur Ruhe zu finden; ich kann die Hintertür benutzen – den leichten Weg wählen; ich kann jemandem den Stuhl vor die Tür stellen –ich will nichts mit dir zu tun haben.
Türen haben Schlüssel und wir sollten den Mut haben diese zu öffnen.
Türen verbinden – Wohnungstür zum Flur, Küchentür zum Wohnzimmer usw. Dabei wird eine Schwelle überschritten. Das Leben hält viele Türen für uns bereit. Sie verbinden auch Menschen. Jesus verbindet uns Menschen wie eine Tür.
Dagmar gab uns noch Informationen zur ersten Etappe und machte uns aufmerksam auf zwei schmale „Türen“, durch die wir heute noch gehen würden.
Nach dem Reisesegen und den Erhalt des Pilgerstempels starteten wir 40 Pilger um 9.50 Uhr. Es war immer noch recht frisch und neblig. Der Weg (ca. 3km) führte vom Dom wieder Richtung Bahnhof, weiter über die Saalebrücke nach Roßbach.
In der Elisabethkirche wurden wir schon von Pf. i.R. Storzer empfangen. Diese schlichte Kirche gibt es seit dem 15. Jh. war früher evangelisch und wurde 1980 von der katholischen Kirche übernommen und restauriert. Sie wurde vom daneben liegenden St. Michaelshaus, einer kath. Jugendbildungsstätte dringend als größere Räumlichkeit benötigt und dient jetzt als Jugendkirche.
Pf. Storzer geleitete uns mit der Tageslosung und begleitete uns noch durch das Gelände des St. Michaelshaus steil nach oben zum „Hinterausgang“.
Oben angekommen riss die Wolkendecke auf und die Sonne zeigte sich. Wir hatten noch einen schönen Blick auf das Saaletal. Bei klarem Wetter wäre sogar der Naumburger Dom zu sehen gewesen.

Von hier gingen wir einen mit der Pilgermuschel ausgeschilderten Naturlehrpfad nach Großwilsdorf, wo uns vor einer kleinen Dorfkirche Frau Börner, eine Frau aus der Gemeinde erwartete.
Nach Texten der Kommunität Iona/Schottland hält Dagmar mit uns das Mittagsgebet. Frau Börner gibt uns noch ein paar Informationen über die romanische Kirche mit einem alten steinernen in die Wand eingefassten Taufbecken und über das Gemeindeleben.
Dann verzehren wir auf der Kirchenmauer in der Sonne sitzend unser „Mitgebrachtes“. Wir beobachten die seltenen Rotmilane, die über uns kreisen und genießen die Wärme.
Gegen 13 Uhr brechen wir auf, nachdem wir uns bei Frau Börner mit unserem Pilgerlied bedankt haben. Bis Balgstädt sind es 4,4km, und es ist eine der schönsten Strecke des Tages. Sie führt uns durch das NSG Rödel, einem stillgelegtem Truppenübungsplatz der sowjetischen Armee. Doch bevor wir dieses betreten weißt uns ein Schild zu den Orchideenbeständen in den Toten Tälern.
Dagmar erzählt uns die Geschichte dazu.
Danach zwängen wir uns durch die 1.schmale „Tür“ und befinden uns jetzt auf einem riesigen renaturierten Hochplateau, karg bewachsen mit kleinen Bäumen, Sträuchern und Wildwuchs, der Boden bedeckt mit weißen Unkräutern. Zur Landschaftspflege dieser großen Flächen wurden Wildpferde der Rasse Konik angesiedelt. Eine Herde von etwa 10 Tieren konnten wir dann auch live erleben, da sie bis auf etwa 20m an uns herangekommen waren. Das war ein besonders schönes Erlebnis. Nachdem wir durch eine ebenso schmale Gattertür das NSG wieder verlassen hatten wanderten wir durch einen lichten Mischwald bergab nach Balgstädt/Unstrut, wo uns Frau Alt empfing.
Eine kleine Dorfkirche, etwas versteckt liegend mit nur wenigen Mitgliedern, aber einer Besonderheit - eine alte Glocke der Kirche, die Anna steht im Glockenmuseum Laucha.
Nach kurzem Aufenthalt gehen wir das letzte kräftezehrende Teilstück an. Nach Verlassen des Ortes und Überquerung einer Straße folgt ein 1,7 km langer Anstieg auf einem Feldweg.
Oben angekommen ist Zeit für eine Trinkpause unter Weißdornbüschen und anderen blühenden Wildsträuchern.
Schweigend gehen wir das nächste Stück in Gedanken und im Gebet an zwei unserer erkrankten Pilgerfreundinnen und an alle, die uns am Herzen liegen. Bon Camino!
Während dieses Gehens genießen wir die Natur. Was haben wir nicht unterwegs alles an z.T. seltenen Frühlingsboten gesehen! Veilchen, Himmelschlüssel, Leberblümchen, Kuhschelle und sogar das Frühlings-Adonisröschen.
In Laucha angekommen erleben wir noch den krönenden Abschluss dieses Tages, die Besichtigung des Glockenmuseums. Sehr freundlich wurden wir auch hier empfangen und die Dame, die uns die Führung machte hat uns voller Leidenschaft ihr Wissen über die hohe Kunst des Glockengießens rübergebracht.
Von 1732 bis 1911 wurden in Laucha über 5000 Bronzeglocken gegossen. Seit 1932 ist es Museum.
Besondere Ausstellungsstücke sind der alte Schmelzofen und die älteste bekannte Glocke des Unstruttales, die schon erwähnte Balgstädter Glocke, die vermutlich von Mönchen 1311 gegossen wurde.
Frau Bombach von der ev. Kirche in Laucha hielt uns die Abschlußandacht, unterstützt von Frau Pfr. Wegner, die uns beim Singen eines uns allen unbekannten Liedes mit der Gitarre begleitete.
Zum Schluss wurde die im Museum befindliche Glocke von Pilger Fritz Habicht geläutet.
Es war ein sehr schöner Pilgerauftakt und wir danken Dagmar und Schiko für alle Vorbereitung.

Gerlinde und Ernst Martin aus Chemnitz
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