Bericht Jubiläum 20 Jahre Pilgerreise nach Rom 30.07.-01.08.2021

Jubiläum 20 Jahre Pilgerreise nach Rom

Vor 20 Jahren, am 29. Juli 2001, wurde ich, Arnhild Kump von Thüringer Landesbischof Roland Hoffman als Ökumenische Botschafterin der katholischen und evangelischen Christen in Thüringen, Sachsen und Sachsen-Anhalt mit einem feierlichen Gottesdienst auf die Pilgerwanderung nach Rom ausgesendet. Unterwegs besuchte ich zahlreiche Kirchgemeinden, Kommunen und Klöster, führte viele Gespräche mit Menschen, denen ich auf der Straße begegnete. Auf den historischen Spuren von Pfarrer Peter Wolf, der 1513 und 1518 nach Rom gewandert war, pilgerte ich von Monstab im Altenburger Land über Hof, Nürnberg, Augsburg,

Konstanz, Zürich, Mailand, Genua, Pisa und Florenz nach Rom. In 68 Tagen lief ich 1854 km. Nicht mitgerechnet sind Wartezeiten auf die wichtigen Gottesdienste in Augsburg, Zürich, Mailand, Genua, Florenz und Rom. Mitte November erreichte ich mein Ziel. „Als Schneeflocke war ich in Monstab losgelaufen, als Lawine kam ich in Rom an“, weil viele Menschen in der Heimat, aber auch unterwegs, die Ökumenische Botschaft unterstützten und für unser Anliegen gebetet haben. In Zürich wurde mir eine Grußbotschaft aller christlichen Gemeinschaften der Schweiz an Papst Johannes Paul II. übergeben. Auch die Evangelische Kirche von Italien schloss sich unserem Romprojekt mit einer Botschaft an. Weltweit wurde damals vom Vatikan über unser historisches Gemeinschaftsprojekt berichtet. Aus diesem Grund durfte ich am 21. November 2001 die wichtigen Dokumente, zu denen auch eine Grußbotschaft des Landkreises Altenburger Land gehörte, persönlich an Papst Johannes Paul II. übergeben. Zum Jahresende 2001 erhielten wir einen Dankesbrief vom Vatikan. Es war uns gemeinsam gelungen, ein wichtiges Zeichen für die Ökumene zu setzen.

Die Rompilgerreise war und ist für mich persönlich ein unvergessliches Erlebnis. Es veränderte mein Leben umfassend. 2002 übersiedelte ich nach Zürich, arbeitete 4 Jahre im Pilgerzentrum St. Jakob, das von Pfarrer Theo Bächtold geleitet wurde. Im Jahr 2006 heiratete ich nach Wien und gründete 2008 mit Pfarrer Dr. Michael Wolf das Ökumenische Pilgerzentrum Wien. Die Pilgerphilosophie ist inzwischen für mich zur Lebensphilosophie geworden. Besonders freue ich mich über das länderübergreifende Pilgernetzwerk, in dem ich mitarbeiten darf. Zahlreiche Freundschaften wurden in dieser Zeit geschlossen, die bis heute bestehen. Dafür bin ich sehr dankbar.

Trotz der Corona-Pandemie, die viel Kraft kostet und unser Leben stark verändert, konnten wir vom 30.07.-01.08.2021 das 20-jährige Jubiläum in meiner Heimat Thüringen feiern. Zahlreiche Gäste aus Nah und Fern waren gekommen, um dabei zu sein.

Am Freitag, den 30. Juli, erzählte ich vor ungefähr 60 Gästen nach der gemütlichen Kaffeerunde im Pfarrhof Nöbdenitz, gleich neben der 1000-jährigen Eiche, von den Erlebnissen auf der Pilgerreise und wie sie mich Schritt für Schritt unterwegs veränderten. Auch nach 20 Jahren sind die wichtigsten Ereignisse noch immer bei mir sehr präsent. Nach dem Abendläuten um 18 Uhr setzte Pfarrer Dietmar Wiegand das Programm mit einer Andacht im angenehm schattigen Garten des historischen Pfarrhofs fort. Zum Abschluss des Begrüßungsabends schauten wir Filmaufnahmen, die das Fernsehen damals in Auftrag gegeben hatte.

Am Samstag begann der Pilgertag nach der morgendlichen Kaffeestärkung mit der traditionellen Pilgerandacht in der Nöbdenitzer Kirche, die Pfarrer Dietmar Wiegand gestaltete. Mit dem Pilgersegen im Gepäck machten wir uns danach schweigend auf den Weg nach Posterstein. Der Lutherweg-Abschnitt führt entlang dem Fluss „Sprotte“ und regt mit mehreren spirituellen Impulsstationen zur Achtsamkeit und Erinnerung an die Taufe an. Frau Opitz erwartete uns in der Kirche der Burg Posterstein und bereicherte uns mit ihrem umfangreichen Wissen über das Kleinod und die wunderschönen Schnitzereien im Kircheninneren. Leider reichte die Zeit nicht für einen

Besuch in der Burg. So nutzen wir unterwegs immer wieder Gelegenheiten, um auf die interessante Geschichte und besondere Bauwerke der Region hinzuweisen. Erwähnenswert waren der berühmte Musenhof der Gräfin Dorothea vom Kurland in Löbichau und das Schloss Tannenfeld. In Mennsdorf berichtete uns Frau Göthe eindrücklich über die Bemühungen des kleinen Dorfes für die Erhaltung ihres Kirchleins. In Paitzdorf erwartete die 25 Hungrigen eine köstliche Pilgersuppe von der Fleischerei Heilmann aus Lohma. Natürlich schauten wir nach der Stärkung auch hier in die Kirche und erfuhren von Frau Pautzsch u. a. von den vielen, Mitte des 19. Jh. nach Amerika ausgewanderten evangelischen Gemeindemitgliedern. Danach marschierten wir durch das ehemalige Wismut-Gelände direkt nach Ronneburg, das früher Bad Ronneburg hieß. In der Bogenbinderhalle wurden wir vom „Bergbauverein Ronneburg e. V.“ erwartet und durch die Ausstellung geführt. So konnten wir einen Einblick in die Geschichte des Uran-Abbaus für die frühere Sowjetunion erhalten, der uns auch auf die negativen Auswirkungen auf die gesamte Region aufmerksam machte. In Vorbereitung der Bundesgartenschau 2007 wurden viele Schäden beseitigt. Die einst weithin sichtbaren Abraumpyramiden verschwanden, der 240 m tiefe Tagebau Lichtenberg wurde zugeschüttet und ein Großteil der Landschaft erhielt eine neue Gestalt. In der Ronneburger Marienkirche endete unser Pilgertag. Der Vorsitzende des Kreiskirchenrates, Mirko Weißer, gestaltete die traditionelle Abschlussandacht, die mit einer Orgel-Interpretation zum Pilgerlied „Möge die Straße uns zusammenführen“, abschloss.

Am Sonntagvormittag versammelte sich eine große Gottesdienstgemeinde in der St. Trinitatis-Kirche zu Monstab. Superintendentin Dr. Kristin Jahn leitete den Festgottesdienst, Altbischof Roland Hoffmann aus Jena hielt die Predigt, Pastorin Beate Stöckigt aus Apolda und der katholische Pfarrer Johann Storzer aus Naumburg sowie Vikar Bernhard Heinze wirkten ebenfalls mit. Musikalisch umrahmt wurde der Gottesdienst von Christiane Treibmann aus Altenburg (Orgel), Sebastian und Jonas Friesel aus Meuselwitz und Wien (Gitarre/Trompete), dem Posaunenchor Gößnitz/Gieba und Eva Glaser aus Wien (Gesang). Grußworte überbrachten der Landrat des Altenburger Landes Uwe Melzer, die ehemalige Präsidentin der Evangelische Kirche von Italien, das Pilgerzentrum St. Jakob Zürich und das Ökumenisches Pilgerzentrum Wien. Im Anschluss verlas die Superintendentin die Neu-Verpflichtung zur Ökumene. Es war ein sehr feierlicher Gottesdienst. Wir wollten mit dem Jubiläumsfest ein Zeichen für die Ökumene setzen und den Menschen Mut machen sowie in der schwierigen Zeit der Corona-Pandemie Zuversicht vermitteln, Lebensfreude und Dankbarkeit sichtbar machen. Das Pilgern verbindet Menschen. Das ist besonders in Krisenzeiten wichtig, denn: Wer geht, dem geht es gut“.

Wir danken allen herzlichst, die mit viel Engagement bei der Vorbereitung des Jubiläums tatkräftig geholfen haben. So ist dieses besondere Jubiläum auch ein Zeichen für erlebbare Gemeinschaft geworden. Unser besonderer Dank gilt allen Mitwirkenden, dem Kirchenkreis Altenburger Land, den Kirchgemeinden Nöbdenitz, Posterstein, Mennsdorf, Paitzdorf und Ronneburg sowie der Fleischerei Heilmann aus Lohma und der Bäckerei Reichardt in Löbichau. Der Kirchgemeinde Monstab, der Gemeinde Monstab, der Feuerwehr Monstab sowie der Fleischerei Langheinrich aus Monstab, Firma Jäger aus Altenburg und den zahlreichen fleißigen Helfern aus Meuselwitz, Gößnitz und Ponitz.

Arnhild Kump und das OrganisationsteamJubiläum_20_Jahre_Pilgerreise_nach_Rom.jpg

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